Mittwoch, 29. August 2012

Meine Schmonzetten Beichte

Nachdem ich euch hier seit über einem Jahr an meinen Höhenflügen auf den Schwingen der Kollegen Dostojewski, Dickens, Brontë und ähnlich eloquent klingenden Genies teilhaben lasse, muss ich heute mal was beichten... 

Ich bin eine Schmonzetten Queen. 

Ich bin eine Schmonzetten Queen! Zwar kaufe ich meine Schmonzetten nicht wahllos (also nicht diese Gruseligkeiten mit den weichgezeichneten Muskelpaketen auf dem Cover und auch nicht diese "er versenkte den Speer seiner Liebe in ihrer Quelle der Leidenschaft" -äh - oder so - Geschichten) aber seitdem ich ungefähr 15 bin, warte ich sehnsüchtig auf jedes neue Buch von Susann Elizabeth Phillips

Zum Beispiel auf dieses hier. Eine meiner absoluten Lieblingsgeschichten. Honey Moon ist 16 und im Freizeitpark ihrer Verwandten aufgeachsen. Als ihr Onkel stirbt, fängt sie an zu Walt Disney zu beten, dass der Freizeitpark einen Investoren findet. Stattdessen wird sie zum Kinderstar einer berühmten Fernsehserie und zu einem unausstehlichen kleinen Ekel. Bis sie sich in ihren Co-Star verliebt, der so alt ist, dass er ihr Vater sein könnte. Dieses Buch ist übrigens uncharakteristisch komplex für Frau Phillips und vielleicht deshalb mein Liebling, aber die anderen Bücher sind auch toll. Ich bin loyal.

Seitdem ich damals über diese zuckersüßen Glücklichmachergeschichten gestolpert bin, liebe ich die Bücher heiß und innig. Was eventuell dazu führen könnte, dass ich bei dieser Autorin nicht objektiv sein kann.  Wenn ich nämlich objektiv wäre, müsste ich wahrscheinlich zumindest ein paar der folgenden Aspekte bemängeln:
  • die Geschichten haben jedesmal den gleichen Aufbau
  • die Männer sehen immer gnadenlos gut aus
  • haben dabei aber einen Lattenschuss, dass es knallt und müssen von den Frauen "gerettet" werden
  • und zwar von Frauen, die total normal aussehen, von ihren Wunderknaben aber für die schönste Frau der Welt gehalten werden
  • regelmäßig finden die Männer mit Mitte 30 zum ersten mal eine Frau der sie vertrauen können
  • die Geschichten sind vorherrsehbar wie Wackelpudding
  • und komplett unrealistisch (Kann schonmal passieren das die Hauptfigur am Ende Präsidentin der Vereinigten Staaten wird!) 
  • noch tausend andere Dinge die anspruchsvolleren Leserinnen wahrscheinlich die Haare zu Berge stehen lassen.
Außerdem haben die Damen, wenn sie denn überhaupt schon Erfahrung haben, die abenteurlichsten Gründe dafür, warum sie ihren vorherigen Mann (es ist selten mehr als einer) nicht geliebt haben. Unter anderem schon vorgekommen:
  • Er war schwul
  • Er war ein verbrecherischer Fernseh-Priester
  • Er war ein Transvestit
  • Er war zu perfekt (auch das kommt vor, hallo?)

Interessierts mich? Nö.
Auch wenn ab und zu mal ein Flop dabei ist (niemand ist perfekt Frau Phillips, Ihnen verzeihe ich das!) habe ich die meisten der Bücher mittlerweile so häufig gelesen, dass ich die Lebensgeschichten der Figuren wesentlich besser kenne, als zum Beispiel die unserer Politiker. 

Sobald ich ein Buch von Susann Elizabeth Phillips zuklappe fühle ich mich, als hätte ich ein Honigkuchenpferd gefrühstückt. Am Ende landen sie sich immer in den Armen, kriegen Kinder und haben ihren perfekten Lebensweg gefunden. (Wer mir jetzt was von Spoiler erzählt, wird ausgelacht!) Und da ich das von vorne herein weiss, erwarte ich das auch. Zu den fiesesten Dingen die man mir buchtechnisch antun könnte, würde definitiv ein Phillips Roman ohne vorhersehbares Ende gehören. Übrigens schaffen es bei Frau Phillips immer alle, in ihrem absoluten Traumberuf groß rauszukommen. Im echten Leben wäre auch das wohl eher unwarscheinlich, da die Männer vorzugsweise Sportprofis in der Topliga sind und die Frauen mit Berufen wie Kinderbuchautorin/ Imkerin/ Schmuckdesignerin reich werden. Naja man kann ja träumen, richtig? Wie gesagt, manchmal werden sie auch Präsidentin von Amerika.

So. Nachdem ich nun gebeichtet habe, möchte ich euch natürlich konvertieren. Lasst euch nicht erzählen, Literatur müsste anspruchsvoll sein. Das ist nämlich hier nicht nötig, weil die Bücher so gnadenlos witzig, herzlich und vollgepackt mit liebenswerten Figuren sind! Außerdem schafft Frau Phillips es irgendwie, eine eigentlich gleiche Geschichte in immer neue, mehr oder weniger aufregende Situationen zu packen. Und das beste: Man muss die liebgewonnen Figuren nicht aufgeben, denn sie tauchen wahrscheinlich in irgendeinem Folgeband wieder auf. Als Mutter, große Schwester, oder jetzt erwachsenes Kind mit eigener Geschichte. Hach, ich find das soooo schööön. 

So. Das alles hab ich euch erzählt weil ich gerade den aktuellen Roman "The great escape" zu Ende gelesen habe. Er ist eine Parallelerzählung zum letzten Band, in dem Lucy Jorik (bekannt als störrischer Teenager aus "First Lady") vor ihrer eigenen Hochzeit mit Sunnyboy Ted Beaudine (bekannt als kleines Genie aus "Fancy Pants") flüchtet. Nachdem der letzte Band "Call me irresistible" den weiteren Verlauf der Geschichte aus Teds Sicht schildert. Der sich übrigens ein paar Wochen nach der Hochzeit gleich mal in Lucies beste Freundin verliebt. PROBLEM DAMIT? Niemand meckert an meinen Lieblingsschmonzetten rum! (Geht und ärgert Frodo!) Jedenfalls hab ich den grad zugeklappt und fühl mich schon wieder ganz kugelig vor lauter Schmonzetten Glück. Rezension ist quatsch, wie gesagt die sind eh alle gleich, aber im Laufe der Woche stelle ich euch meine fünf Lieblingsbücher von Frau Phillips vor.

Kommentare:

  1. Hihihi, was für ein herrlicher Beitrag! Ich habe mich gerade sehr amüsiert und ich finde, dass du völlig recht damit hast, dass Bücher nicht immer anspruchsvoll sein müssen. Bekehrt hast du mich jetzt zwar nicht, aber ich könnte ähnliche Beichten anführen. Victoria Holt heißt meine Schwäche ...

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    1. Hab ich noch nie von gehört, aber grad mal gegoogelt. Du meine Güte, was war die Frau produktiv!! Unter 3 verschiedenen Pseudonymen?! :o
      http://de.wikipedia.org/wiki/Eleanor_Hibbert

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  2. Ich gebs zu, ab und an les ich auch mal gerne ne Schmonzette. Meine Schwäche trägt gleich zwei Namen: Anne Hertz und Cecelia Ahern ;)

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    1. Das ist ja lustig, auch Anne Hertz ist ein Pseudonym! Wusstest du, dass die Bücher von zwei Schwestern geschrieben werden? Ich glaube ich habe gerade zum ersten mal in meinem Leben den Begriff "Sammelpseudonym" gehört :p
      http://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Hertz

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    2. Nein, den Begriff kannte ich auch noch nicht.

      Aber ich wusste, dass da zwei Schwestern zusammenarbeiten. Allerdings schreiben sie nebenher auch noch einzeln an Romanen. Von der einen weiss ich auf jeden Fall, dass sie Bücher aus der Sicht von einem Dackel schreibt :D

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    3. Von einem Dackel. Find ich geil. "Und was machen sie so, wenn ihnen langweilig ist?"
      :p

      Trotz Spott: Ich hatte als Kind mal ein Buch aus der Sicht ienes Dackels (das war allerdings aus den frühen 80ern von meiner Tante geerbt, also wahrscheinlich nicht von der Schwester geschrieben) und das hab ich geliebt.
      Allerdings bin ich der Meinung, dass es viel Einfühlungsvermögen braucht um ein guter Dackelsichtautor zu werden.
      (Tschuldigung, ich bin grad ein bisschen albern :p. Masterarbeit und so.)

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  3. Sehr unterhaltsam, dein Bericht :)
    Ich liebe ja die Bücher von Kinley MacGregor, die ja sowas von Schnulzen-Liebes-Highlander-Romane schreibt :D Aber ihre gefallen mir irgendwie gut :D
    Grüße, KQ

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    1. Hatte ich auch noch nie was von gehört, aber auch diese Dame schreibt anscheinend leiber unter PSeudonym. http://de.wikipedia.org/wiki/Sherrilyn_Kenyon

      Ich weiss aber auch nicht, ob das für mich in Frage kommt. Ich bin doch so ein Riesen Diana Gabaldon Fan, würde das dann als Untreue gelten? (Kennst du die Jamie und Claire Reihe überhaupt? Ich liebe, liebe, liebe sie!!!)

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  4. Deinen Bericht finde ich toll. Und ich stimme dir zu, Literatur muss nicht immer anspruchsvoll sein. Früher dachte ich immer, ich müsste nur anspruchsvolle und wichtige Bücher lesen. Inzwischen lese ich nur noch das, was mir gefällt. Ob anspruchsvoll oder nicht ist mir dabei egal.
    LG
    Jai

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    1. Eben! Finde ich auch richtig so. Wobei man ja am Anfang leider nicht immer weiss was einem gefällt, deswegen find eich die Liste ganz gut, weil ich zwischendurch immer auch mal merke was ich verpassen würde, wenn ich nur anspruchslose Glücklichmacher lesen würde. Zum Beispiel ist die Sturmhöhe eins meiner absoluten Lieblingsbücher geworden. Und das hätte ich ohne die Liste wahrscheinlich nicht gekauft :)

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  5. Liebe Mila,

    du bist nicht allein! Herzlich Willkommen im Club der anonymen Schnulzoholiker. Mein Name ist Streifenzebra und ich hatte (als Ausrede schiebe ich meinen damaligen Liebeskummer vor) eine ausgeprägte Ildiko-von-Kürthy-Phase. Auch Cecelia Ahern ist mir nicht ganz fremd, doch von Frau Phillips habe ich noch nie gehört. Gibt es da vielleicht ein besonders gutes Einstiegsbuch, falls es mich eines Tages packen sollte?

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    1. "hallo Streifenzebra!" :p
      Es scheint mir als hätte ich hier einen Nerv getroffen. :D

      Idiko von Kürthy hat mich damals irgendwie kalt gelassen, aber Frau Ahern bringt mich auch regelmäßig dazu in Tränen auszubrechen. Woebi ich die Ahern Bücher dermaßen durchwachsen finde, dass ich sie mri mittlerweile nur noch ausleihe statt sie zu kaufen. Mein Liebling ist ja immer noch das Rosi udn Alex Buch (hab den Namen vergessen, das ist diese Brief hin und her schreib geschichte) da hab ich damals tränen gelacht, das ist soo schön :)

      Für den einstieg bei frau phillips empfehle ich dir das oben genannte. ich hab das bestimmt schon 10 mal gelesen <3

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    2. Das habe ich gerade in der englischen Version ("Honey Moon") für nur ein Ticket bei Tauschticket gefunden und angefordert - im schlimmsten Fall kann ich es ja weitertauschen. Man kann es sogar in der Bahn lesen, das Cover ist nicht so verräterisch. =D

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    3. Oh Gott, die haben auch englische Bücher?? Waaaah. Hin da!

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    4. Ach ich Horst. Englische Bücher ändern ja nichts dran, dass ich in Holland wohne O_o.

      Naja, in ein paar Monaten dann.
      Bin gespannt auf deine Meinung. Wie gesagt, 15 und nicht objektiv :p

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  6. Ich liebe Schmonzetten ebenfalls, und mal so mittendrin eine eingeworfen inmitten der ganzen anderen Literatur - muss auch mal sein. Früher habe ich ganz gern zu den Büchern von Nora Roberts gegriffen, allerdings wurden mir die letzten Geschichten, die sie geschrieben hat, dann doch ZU kitschig und ZU vorhersehbar.
    Von Frau Phillips kenne ich übrigens das Buch mit dem "verbrecherischen Fernseh-Priester"... :)

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    1. Ja Nora Roberts Romane wurden irgendwann so, wie ich mir die Bücher von Rosamunde Pilcher vorstelle (Wobei ich da nur aus Vorurteilen urteilen kann, denn ich hab noch kein Pilcher buch gelesen. Das wird sich aber dank Luiste demnächst ändern. Ich werde berichten :p)

      Das mti dem Fernsehprister gehört zu meinen Lieblingsbüchern von ihr, die anderen Frauen sind so herrlich zickig. :p

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    2. Liebe Mila,

      dein Artikel hat mich zum (schallenden) Lachen gebracht. Vor allem dass völlig durchschnittlich aussehende Kinderbuchautorinnen/ Imkerinnen und DIY-Frauen in den Romanen sogar zu Präsidentinnen aufsteigen können. Großartiger Eskapismus. Heimlich zugeflüstert: Ich bin beinahe versucht das Fernsehpriester-Buch einmal zu lesen.
      Herzlich, die Andere...

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  7. Ach, dein Beitrag liest sich so herrlich, das reicht auch fürs Honigkuchenpferd-Grinsen ;-)
    Schmonzetten sind prinzipiell gar nicht mein Ding (ich hab's lieber blutig...), aber auch ich leide ab und zu, manchmal, wirklich nur ganz selten an dieser Schwäche. Allerdings bin ich dabei nicht direkt einer bestimmten Autorin treu. Aber scheinbar schlummert diese Seite in fast allen von uns :-))
    Und ich stimme dir zu - Literatur muss nicht immer anspruchsvoll sein, das ist auch ein relativer (und inflationär gebrauchter) Begriff.

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    1. Haha ja, vor allem die blutige Literatur ist oft so garnicht anspruchsvoll. Ich spreche da als leidgeprüfter Joy Fielding Fan. Ich kaufe alle Bücher der Dame, rege mich aber in regelmäßigen Abständen auf wenns wie öfter in letzter Zeit nur so dahingeklatscht ist.

      Du hast aber Recht, ich bin erstaunt in WIE VIELEN diese Seite zu schlummern schient, mit so einem Echo hab ich ja überhaupt nicht gerechnet :o

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  8. Huhu!

    Ich habe dir gerade auf meinem Blog einen Award verliehen :)
    http://zwischendenzeilen-buchblog.blogspot.de/2012/08/mein-erster-award.html

    Liebe Grüße

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  9. Hmmm, Blogger hat deinen neuen beitrag gefressen, in der Vorschau war da ein Bild von nichtlustig.de und jetzt ist alles weg. :-(

    Pandemonium kommt als Nächstes, ich brauchte mal ne kurze Dystopien-Pause... darum lese ich jetzt nen Roman über krebskranke todgeweihte Jugendliche. =D The fault in our stars" von John Green, verspricht ganz gut zu werden.

    Dieses Küken ist einfach als Mietnomade auf meinen Blog gezogen und hat sich da eine Schaukel gebaut. Es weigert sich sowohl, sich in ein Zebra zu verwandeln, als auch sich einen anderen Spielplatz zu suchen. Möglicherweise werde ich daher rechtliche Schritte einleiten. ;-)

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    1. Oha, da wollte wohl jemand nicht so wie ich das wollte. Danke fürs Bescheid sagen :)

      Alter, das Küken!!

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  10. Susan Elizabeth Phillips gefiel mir nicht so gut wie Nora Roberts - und die mag ich inzwischen nicht mehr. Gerade die perfekten Karriereverläufe in den Traumjobs ärgern mich inzwischen regelrecht. ;) Victoria Holt hat mir so einige tolle Jugenderinnerungen verschafft - die sollte ich wirklich mal wieder lesen! Ansonsten verschaffe ich mir meinen aktuellen Kitschbedarf nur das Antesten neuer Autorinnen oder durch Julia-Quinn-Romane (historischen Romanzen kann ich zum Teil viel mehr verzeihen als aktuellen Geschichten ;) ). So oder so, etwas Kitsch braucht es doch immer wieder!

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