Dienstag, 21. August 2012

"My brother. My captain. My king!" Oder auch nicht. [Rezension LOTR - Die Gefährten]


Wir erinnern uns kurz mal an folgende Szene:




Wahrscheinlich eine der bewegendsten Szenen der Filmgeschichte. Hab. Ich. Geheult!
Deswegen war ich innerlich auch ganz aufgewühlt als Buch eins der Herr der Ringe Saga sich dem Ende neigte. Jemand hatte mir vor Jahren mal erzählt, Boromirs Tod sei im Buch noch viel schlimmer als im Film. Tja, entweder springe ich extrem auf Hollywood Effekte an, oder besagter Herr hatte das Buch überhaupt nicht gelesen. 

"I would have followed you. My brother. My captain. My king!"
So ergreifend. So heroisch. Und so - überhaupt nicht existent. Das ist nun die zweite meiner beiden Lieblingsszenen des Filmes, die überhaupt nicht im Buch steht. Während allerdings Arwens Flusszauberszene im Buch zwar anders, aber nicht weniger spektakulär verläuft, war ich von Boromirs Abschiedsszene einfach nur enttäuscht. Peter Jackson wusste schon was er tat, als er die Szene umgeschrieben hat, die im Original folgendermaßen klingt:

"Farewell Aragorn! Go to Minas Tirith and save my people! I have failed."
"No!" said Aragorn, taking his hand and kissing his brow. "You have conquered. Few have gained such victory. Be at peace! Minas Tirith shall not fall!"
Boromir smiled.
"Which way did they go? Was Frodo there?" said Aragorn.
But Boromir did not speak again.

Das wars. Aragorn kniet danach noch ein bisschen weiter, weint und fragt sich wie es weitergehen soll - aber von heroischen Worten keine Spur.

Nicht nur bei den spekatkulären Szenen bin ich froh, dass ich den Film gesehen und geliebt habe, bevor ich die Bücher gelesen habe. Wie ihr ja von hier wisst, hatte ich zu Anfang deutliche Probleme, überhaupt in die Geschichte reinzukommen. Dann hat sie mich aber schließlich doch noch gepackt und wieder tief in ihren Bann gezogen, genauso wie es mir schon damals mit den Filmen ging. Zwischendurch war ich sogar so vertieft, dass ich einen Freund angefaucht habe, der über das nächste Buch sprechen wollte. 
"Pssst! NICHT VERRATEN WAS PASSIERT!"
"?... Mila, du hast die Filme doch schon gesehen, du WEISST doch schon, was passiert!"

Vor allem die Elben Szenen haben es mir angetan, allen voran die Lothlorien Szene, die im Film ja deutlich verkürzt war. Außerdem hatte ich Galadriel aus dem Film als ziemlich unsympathisch in Erinnerung, aber da lag ich ja komplett falsch. Gimli würde mich einen Kopf kürzer machen, wenn er das wüsste.
Überhaupt, Gimli. Gimli ist neben den Hobbits der einzige Charakter, der ein bisschen Leichtigkeit in die Dialoge bringt. Seine Kommentare sind nämlich, genau wie im Film in dem sie oft eins zu eins übernommen wurden, ziemlich genial und sarkastisch. Leider hatte ich bei Dialogszenen insgesamt aber echt ein Problem mit Tolkiens Erzählweise. Hätte ich nicht aus dem Film schon gewusst, wie ich manche Charaktere einzuschätzen habe, wären sie mir im Buch wahrscheinlich nicht mal aufgefallen. Tolkien hat die Dialoge komplett puristisch runtergeschrieben, ohne jemals hinzuzufügen, in welchen Ton sie gesagt werden, oder welchen Gesichtsausdruck jemand dabei hat. Bei mir hat das dazu geführt, dass ich manche Schlüsselszenen fast komplett überlesen hätte, wenn ich nicht aus dem Film noch gewusst hätte, wie wichtig/ lustig/ ergreifend sie waren. 

Insgesamt würde ich die Erzählweise als sehr unaufgeregt beschreiben. Szenen in denen irgendwelche Landschaften beschrieben werden (was mir übrigens sehr gut gefallen hat, beschreiben kann er, der Herr Tolkien!) sind nicht selten länger als die Schlüsselszenen des ganzen Buches. Eine Beispiel ist die Balrog-Szene in Moria. Gerade mal eine halbe Seite zwischen "Gleich sind wir draußen" und "Scheiße, ein Balrog" und dann ist Gandalf auch schon weg. "Fly, you fools!" he cried, and was gone." Alles geht so schnell und wird so wenig beschrieben, das ich wahrscheinlich garnicht so richtig geschnallt hätte, was da überhaupt passiert ist, wenn ich den Film nicht schon gesehen hätte.

YOU! CANNOT! PASS! (via)

 Insgesamt würde ich aber jedem, der die Filme geliebt hat, auch empfehlen, die Bücher zu lesen. Es braucht ein bisschen Anstrengung, um sich durch die ersten hundert, evtl. durch die ersten zweihundert Seiten zu kämpfen, aber die vielen kleinen Geschichten und Information die man dann zusätzlich zum Film erhält, sind es wert. Auf spektakulär beschriebene Hollywood Szenen muss man zwar größtenteils verzichten, aber dafür gibt es ja dann die Filme. Die Bücher waren für mich auch super, um endlich die vielen kleinen Details zu erfahren, die ich im Film zwar so hingenommen, aber nicht wirklich verstanden habe; z.B.
- warum können Frodo und Sam wochenlang von ein paar Scheiben Lembasbrot leben?
- wieso ist Aragorn so dicke mit dem Elbenvolk?

Der letzte Punkt, nämlich das Aragorn seine Eltern verloren hat und nichtsahnend bei Elrond aufgewachsen ist, war aber wirkliche eine Überraschung für mich. Übrigens erfährt man diese ganzen Dinge auch im Buch überhaupt nicht, sondern nur im Appendix. Da erfährt man dann auch, dass Aragorn und Arwen verlobt sind. Im Buch wird diese Verbindung höchstens mal mit einem Wimpernschlag angedeutet. Interessiert aber wahrscheinlich auch nicht sonderlich, weil Arwen eigentlich überhaupt nicht im Buch vorkommt.  Es gibt eine Miniszene (vielleicht 3 Sätze), in der Frodo "Die Elbenprinzessin" aus der Ferne sieht und danach wird sie nie wieder erwähnt. Deshalb ist die Abendstern Szene natürlich Quatsch. (Also kommerziell war sie für die Herr der Ringe Schmuckverkauf-Maschinerie wahrscheinlich sehr sinnvoll, nur eben komplett ausgedacht.) Insgesamt sind Frauen in Tolkiens Welt größtenteils nicht vorhanden. Auch deshalb bin ich froh, dass ich die Filme vorher gesehen habe, denn ansonsten hätten mich die romantischen Anklänge der Verfilmung wahrscheinlich eher genervt. Im Buch fehlen sie nämlich eigentlich nicht. 
(Eine derartige Erfahrung hat mir übrigens der siebte Harry Potter Film beschert. Diese furchtbare Szene als Harry und Hermine im Zelt miteinander tanzen und sich tief in die Augen schauen, hat mir fast den Magen umgedreht. Wo kam das denn her?!)

Einen Punkt muss ich noch erwähnen: Wie cool ist Sam?! Im Film wesentlich cleverer ausgelegt als im Buch, ist Sam der typisch gutherzige Nebencharakter. Er hält sich selbst nicht für den Hellsten und seine Kommunikationsweise bestätigt das, aber seine Gedanken sind so treffend und scharf, das dem Leser ziemlich schnell klar wird, das ohne Sam nicht viel laufen würde! Außerdem ist er dabei so gnadenlos mit sich selbst, dass man Sam einfach liebhaben muss.
"Whoa, Sam Gamgee!" he said aloud. "Your legs are too short, so use your head! Let me see now! Boromir isn´t lying, that´s not his way; but he hasn´t told us everything. Something scared Mr. Frodo badly. He screwed himself up to the point, sudden. He made up his mind at last - to go. Where to? Off east. Not without Sam? Yes, without even his Sam. That´s hard, cruel hard."
Sam passed his hands over his eyes, brushing away the tears. "Steady, Gamgee!" he said. "Think, if you can! He can´t fly across rivers and he can´t jump waterfalls. He´s got no gear. So he´s got to get back to the boats. Back to the boats! Back to the boats, Sam, like lightning!"
Ich hätte am liebsten laut applaudiert!

Fazit
Bezaubernd wie der Film, nur etwas langatmig. Dafür hat man aber länger etwas davon. Außerdem sollte man dem Buch beim Lesen auf jeden Fall seine Aufmerksamkeit schenken, sonst ist am Ende jemand gestorben und man hat es gar nicht mitbekommen. 

Mit dem zweiten Band bin ich mittlerweile auch schon durch, stay tuned! 
So das wars nun aber zum ersten Band.
Ach nee, eins noch...
Sollte anstatt von "Zufahrt verboten" Schildern eingeführt werden (via)


Kommentare:

  1. Gerade bei der Sterbesezene von Boromir macht es vielleicht auch einfach einen Unterschied, was man zuerst gelesen/gesehen hat: Buch oder Film. Ich war im Buch total schockiert und traurig, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass Boromir stirbt. Im Film hingegen fiel nicht nur der Schockeffekt weg, sondern die doch recht lange Sterbeszene, hat bei mir zu einem genervten "Ja, nun stirb doch endlich"-Gefühl geführt.
    Bei den Moriaszenen habe ich mich ja im Buch beim Lesen fast zu Tode gefürchtet, vor allem, als der Balrog auftauchte. Ich fand das dort unten alles so unglaublich beklemmend und beängstigend, aber vor allem deshalb, weil ich nicht wusste, was einen dort erwartet. Im Film fand ich Moria beeindruckend, aber nicht mehr sonderlich beängstigend.

    Was aber überhaupt nichts dran ändert, dass ich die Filme (trotz gewisser Kritikpunkte) auch innig liebe.

    Geniales Schild übrigens! *gg*

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    1. "Ja nun stirb doch endlich" :D hab mich grad kaputt gelacht. Schon faszinierend wie unterschiedlich man DInge auffasst, je nachdem ob man darauf vorbereitet ist oder nicht. Wär mir umgedreht wahrscheinlich nicht anders gegangen. Andererseits bin ich mir wirklich nicht sicher, ob mir ohne FIlm die Charaktere so ans Herz gewachsen wären. Mir ist das ohne Gefühlslagenbeschreibungs stellenweise echt schwer gefallen einzuschätzen, was der Charakter für eine Persönlichkeit hat.

      Ich fand Moria sau gruselig im Film. Ich fand den ersten Film generell ätzend gruselig, ich HASSE ja Schockeffekte aus vollem Herzen. Ich hab schon halbe Filme damit verbracht mir Augen und Ohren zuzuhalten, weil ich mich nicht erschrecken wollte. Gerade die Ringgeist Szene auf dem Weg ins Auenland (die, wo die Hobbits unter der Baumwurzel sitzen) hat bei mir fast einen Herzinfarkt ausgelöst.

      Bei Elrond, als Bilbo so rumgruselt, hatte ich Gott sei dank schon so ne Ahnung und hab garnicht erst hingeguckt :p

      So ein Schild will ich für mein Haus. Also wenn ich denn dann mal ein Haus habe.^^

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    2. Ich hasse Schockeffekte auch und halte mir des öfteren mal die Augen zu bei manchen Szenen. Also weniger im Kino (da meide ich gewisse Filme sowieso), aber bei DVDs.
      Die Nazgul-Szenen am Anfang fand ich alle ziemlich heftig. Die waren ja shcon im Buch gruselig, aber erst im Film! *schüttel*

      Das mit den Charakteren ... Also nach Boromirs Tod hab ich schon gewaltig um die Leute gezittert, insofern müssen sie mir schon irgendwie ans Herz gewachsen sein, obwohl ich auch eher nicht finde, dass der HdR mit richtig faszinierenden Charakteren aufwarten kann. Sam mochte ich aber schon sehr. Und bei Legolas war ich die ganze Zeit der festen Überzeugung, er würde in einer der Schlachten sterben (warum auch immer). Vielleicht, weil die ganze Elbenthematik etwas so melancholisches hatte.

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  2. Nachtrag: Ich fand manches übrigens tatsächlich auch in den Filmen besser gelungen. Eowyn etwa mochte ich im Buch gar nicht und in der Verfilmung fand ich sie toll. Dafür hat mich Arwen in den Filmen nur genervt, während ich sie im Buch trotz ihrer Winzrolle mochte. Ausgleichende Gerechtigkeit. *gg*

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    1. Haha, Eowyn fand ich im Film total scheiße, weil ich natürlich voll der Arwen Fan war. :p (Nur ein unerwartet niedriger Geburtstagsgeld zuschuss hat mich in dem Jahr davor bewahrt, mir den Abendstern zuzulegen. Fairerweise war ich aber auch erst 14 oder so.)

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    2. Ich finde, dass Arwen eigentlich recht cool eingeführt wird im Film, indem sie Glorfindels Rolle bekommt, aber später dann mit ihrem ganzen Gesäusel hat sie in mir wahre Aggressionen hervorgerufen. ;-)

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  3. Ich mag den Film-Boromir gern, der ist mir um einiges sympathischer als der finstere Buch-Boromir. Das mit dem "stirb endlich", hatte ich aber auch. Gleich nach dem Gelächter über die Tröte von Gondor. *g* Dafür ist es bei Faramir dann aber umgekehrt, der hat im Film ja enorm verloren durch seine Haltung zum Ring.

    Hach schön... ich glaub, ich muß es auch mal wieder lesen...

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  4. Ich hatte im Film so einige "stirb doch endlich"- (oder auch "wann endet denn nun endlich der dritte Teil")Momente, aber vor allem saß ich da und hätte die Hälfte der Zeit brüllen könnnen: "Wie konntest ihr diese Szene, diesen Dialog, diese Information streichen?!". *g*

    Und wo bitte steht dieses Schild? Ich habe gerade illegale Bedürfnisse ... ;)

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